Mit Herz und Seele für St. Konrad

Es gibt verschiedene Gnadengaben,     
aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste,
aber nur den einen Herrn.

(1 Kor 12,4-7)

Nach dem Krieg wurden in vielen Orten Schleswig-Holsteins neue Kirchen gebaut. Zahlreiche aus dem Osten vertriebene Katholiken waren, oft zusammen mit »ihrem« Pfarrer, gerade auch in kleinen Orten angesiedelt worden – so auch in Nortorf. Dadurch sollten alle zugewanderten Familien die Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch bekommen, aber darüber hinaus auch in der Fremde katholisches Leben und Heimat finden.

Die katholische Gemeinde St. Konrad in Nortorf wurde damals als eigene Pfarrei gegründet und blieb es bis zum Jahr 2010. Nachdem der letzte Priester vor Ort, Pfarrer Lothar Plötz, 1975 verstorben war, übernahmen die Pfarrer von St. Martin, Rendsburg, das Amt als Pfarrer in Nortorf. Von Herbst 1976 bis Februar 1989 lebte und wirkte dann Diakon Gerhard Enzenroß zusammen mit seiner Frau in Nortorf, um so den geistlichen Beistand vor Ort zu sichern.

Nachdem es für ihn keine Nachfolge gab, stand das Pfarrhaus leer, und es galt, zumindest die Betreuung der kirchlichen Gebäude und die Übernahme der Küsterdienste zu sichern. Diese Aufgaben übernahm ab 1989 eine polnische Familie, die ins Pfarrhaus zog, bis sie 1996 Nortorf dann verließ.

Da sich trotz bistumsweiter Ausschreibung keine neue Betreuerfamilie fand, bewarb sich das Ehepaar Kock um diese Aufgabe und hat sie bis zum heutigen Tag ausgefüllt.

Katharina war in ihrer Heimat Trier bereits in der Kirche und vor allem bei den Pfadfindern aktiv. Über eine Brieffreundschaft lernte sie den Nortorfer Peter Kock kennen, man verliebte sich, heiratete, und so kam Katharina dann 1975 nach Nortorf. Auf Geburt und Taufe zweier Söhne in St. Konrad folgte ein kurzes Umzugsintermezzo der jungen Familie nach Trier – und wieder zurück nach Nortorf, wo der Anschluss an die Gemeinde St. Konrad schnell wieder gelang.

Es folgte eine sehr aktive Zeit im Dienst der Gemeinde. Die Adventsfeier der Frauengemeinschaft St. Konrad 1979 und die Feier des Ökumenischen Weltgebetstag 1980 waren für Katharina Kock erste Höhepunkte. Der Weltgebetstag und zahlreiche andere ökumenische Aktionen – wie Seniorennachmittage, Jugendtreffen und Gottesdienste im Stadtpark zur Nortorf-Woche – waren ihr ein Herzensanliegen und wurden von ihr alljährlich mitgestaltet.

Weitere Ämter und Aktivitäten folgten: Seit Mai 1980 amtiert Katharina Kock im Leitungsteam der Frauengemeinschaft. Von 1984 an war sie Mitglied im Pfarrgemeinderat (vergleichbar mit dem heutigen Gemeindeteam), dessen Leitung sie 1989 übernahm. 1987 rief sie mit Diakon Enzenross den Mutter-Kind-Kreis ins Leben, der bis etwa 2002 Bestand hatte.

Ebenfalls ab 1987 war Katharina Kock als Aushilfe im Pfarrbüro tätig und absolvierte zusätzlich eine Einführung in die Aufgaben der Rendantur (das kirchliche Finanz- und Rechnungswesen). Am 1. Juni 1987 wurde sie dann offiziell als Rendantin beauftragt und übernahm zwei Jahre später auch die Aufgaben der Pfarrsekretärin.

So wurde Katharina Kock zwangsläufig erste Ansprechpartnerin der Gemeinde in allen möglichen Angelegenheiten – und sie ist es bis heute geblieben. Ihre Aufgaben gingen dabei immer weit, sehr weit, über das kleine Kontingent hauptamtlicher Arbeit hinaus, und diese waren überaus vielfältig: So war sie neben all den bereits genannten Aufgaben als Verbindungsperson zum Pfarrer (zunächst in Rendsburg, dann in Neumünster) tätig, und sie wurde als Vertreterin der katholischen Kirche vor Ort von der Stadt, dem Amt Nortorfer Land und von der ev.-luth. Kirchengemeinde anerkannt und geschätzt.

Darüber hinaus vertrat Katharina Kock die Gemeinde stets auf Dekanatsebene, sowie bei den beiden großen Fusionen der zunächst fünf und dann neun Kirchenstandorte, die heute in der Pfarrei Seliger Eduard Müller zusammengehören.

In den sich aus ihren zahlreichen Tätigkeiten in der Gemeinde ergebenden seelsorgerlichen Gesprächen knüpfte sie viele Kontakte zu den etwa 850 Gemeindemitgliedern im Nortorfer Land und in Aukrug. Da war die Übernahme pastoraler Aufgaben – so zum Beispiel die Erstkommunionkatechese von 1989 bis 2012, die Besuche bei Kranken und Senioren, die Betreuung der Messdiener und Sternsingeraktionen und das Mitgestalten von Wortgottesdiensten – eine logische Konsequenz. Und als abzusehen war, dass künftig immer weniger Priester für die Gemeinden da sein würden, nahm sie an der Ausbildung zur Wortgottesdienstleiterin im Erzbistum Hamburg teil.

Aber so schön und aktiv sie auch war – diese Zeit geht nun zu Ende. Zum 30. September 2022 haben Katharina und Peter Kock ihre Dienste – nach 42 Jahren Ehrenamt und 33 Jahren Dienstverhältnissen – gekündigt, um nun ihren Ruhestand genießen zu können. Jedes Gemeindemitglied wird das verstehen und es dem Paar von Herzen gönnen und ihm für die geleistete Arbeit danken.

Die sich auftuende Lücke ist dennoch groß und schmerzhaft, denn viele aktive Katholiken finden sich nicht mehr in der Nortorfer Gemeinde. Nur wenige können oder wollen sich heute noch so engagieren (auch wegen der immer größer werdenden beruflichen Belastungen).

Viele Jahrzehnte hat die in Nortorf so vorbildlich funktionierende Kombination von Haupt- und Ehrenamt der katholischen Kirche in ganz Schleswig-Holstein eigene – durchweg positive – Erfahrungen gegeben. Was insbesondere für das Vorhandensein von Betreuerfamilien gilt, die die sonst verwaisenden Pfarrhäuser sowie die kirchlichen Gebäude pflegen und beleben, und die so das besondere, oft sehr persönliche Klima gerade in den kleineren katholischen Gemeinden ermöglichen.

Die Ehrenamtlichen in Nortorf suchen mit dem Pfarrer und dem Gemeindeteam Neumünster/Nortorf nach Möglichkeiten, wie auch weiterhin Gottesdienstbesuche und Gemeindeleben in und um unserer Kirche St. Konrad stattfinden können.

Einen Dankgottesdienst feiern wir am 11. September 2022 um 15:00 Uhr in St. Konrad.

Pfarrer Peter Wohs und das „Gemeindeteam“ Nortorf